Animation Award / Bester Animationsfilm

Jury Preis 750 Euro

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Der Animation Award wird unter allen Kategorien des Festivals an den besten Animationsfilm vergeben. Es ist eine Jury Preis. Der Animation Award ist international ausgeschrieben. Im Wettbewerb um den besten Animationsfilm befinden sich 31 Beiträge aus 18 Ländern.

Gewinner

Selfies von Claudius Gentinetta

Begründung der Jury:

Claudius Gentinetta und sein Team schaffen mit einfachsten Mitteln einen Film, der in 4 Minuten eines der großen Phänomene unserer Zeit umreißt: die Selfie-Sucht. Was an gemalten Selfie-Fotos und Selfie- Videos interessant sein kann, erkennt man schnell: es handelt sich bei diesem Film um eine gekonnte Persiflage auf zwanghafte Selbstdarstellung; die Bilder galoppieren mit uns quer durch verschiedene Gesellschaftsschichten und Erdteile, durch privaten wie öffentlichen Raum, von der Dokumentation zur Selbstentblößung, vom allzu Bekannten zu wahnwitzigen Auswüchsen unserer digitalen Abhängigkeit. Da filmt sich ein Vater im Kreissaal, während im Hintergrund sein Kind auf die Welt kommt, auch das Neugeborene hat schon seinen eigenen Selfie-Stick in der Hand.
Die digitale Abhängigkeit ist fixer Bestandteil unserer Zeit, Instrument der Konsumwelt, und beeinflusst längst unser Fühlen und Erleben. Das Phänomen der Nabelschau aber, der Zwang alles festhalten zu müssen, sich seiner Selbst zu vergewissern und das eigene Erleben im virtuellen Raum verankern zu wollen – könnte das nicht vielleicht ein vorübergehender Trend sein, über den wir irgendwann einmal lachen können wie über diesen Film? Hoffentlich.
Der Film scheut keine absurden Wendungen und ist so voll Phantasie, dass man beim ersten Mal gar nicht alle Details, nicht jeden Witz erhaschen kann. Dabei bleibt einem spätestens beim letzten Bild das Lachen im Halse stecken, das letzte Selfie, das wir nicht machen können: die eigenen Füße, im Leichenschauhaus liegend, der Zettel am großen Zeh. Yolo.

Anna Edelmann

Anna Edelmann ist 1984 in München geboren. Ihre Liebe zum Film entwickelte sich schon vor der Einschulung: das Kinderkino im Kulturzentrum Forum2 des Münchner Olympiadorfs bot ein anspruchsvolles Programm, das sich keineswegs auf die klassischen Kinderfilme beschränkte. Die Gründer des Vereins Kinderkino, Hans und Christel Strobel, verstanden es ausgezeichnet, die Kinder über die Mitarbeit im Team für den Film zu motivieren: So half sie an der Kasse, beim Einlass, bei der Ansage der Filme und der Auswertung der Zuschauerabstimmung. Später schrieb sie erste Beiträge für die zweimal jährlich erscheinende Kinderfilm-Zeitung.
Nach der Schulzeit begann sie als freie Filmkritikerin zu schreiben. 2009 schloss sie sich dem Team des Artechock Filmmagazins an, für das sie seit 2012 auch zusammen mit Thomas Willmann unter dem Titel "Edelmann und Willmann sind sich einig" Artikel und Kritiken verfasst und über Filmfestivals Bericht erstattet.
Praktische Erfahrungen mit der Filmproduktion gewann sie als Komparsin in Studentenfilmen und Werbespots. In Andreas Prochaskas Film „Das finstere Tal“ wirkte sie im Kostümdepartment mit.

©Teresa Marenzi 2019

Anne von Keller

Anne von Keller bezieht ihre besondere Kraft und Ausstrahlung aus Umwegen.
Auf denen fallen einem ja bekanntlich Besonderheiten deutlicher auf als auf der direkten Strasse zum Ziel. So kam sie über die Theaterwissenschaft zum Schauspiel und über einen geschenkten Bass zur Musik. Und so zeigte sie z.B. in dem wunderbaren Kurzfilm „Amoklove“ von Julia C. Kaiser oder dem hermetischen Sci-Fi-Drama „Endzeit“ immer wieder Figuren mit einem reichen Innenleben, von dem sie uns nur Bruchstücke offenbart und so der Komplexität der Gefühle Respekt zollt.
Inzwischen kann sie auf eine stattliche Zahl von Kurz- und Langfilmen zurückblicken und ist im zugänglichen Arthouse-Kino, wie etwa an der Seite von Maria Furtwängler in „Das Leben in geschlossenen Räumen“ genauso zuhause wie in „Reproductive Exile“, einem semidokumentarischen Film der Künstlerin Lucy Beech. Parallel dazu veröffentlichte sie mit ihrem Indie-Folk Duo Sorry Gilberto vier Alben und trug in großen Teilen zum Soundtrack der vielfach ausgezeichneten Dramedy „Die Hannas“ bei.

Filmographie (Auswahl)

  • 2018 Reproductive Exile (Lucy Beech)
  • 2016 Flecken auf Weiß (Laura Schwickerath)
  • 2015 Die Hannas (Julia C. Kaiser)
  • 2014 Das Wetter in geschlossenen Räumen (Isabelle Stever)
  • 2013 Der Andi ist wieder da (Friederike Jehn)
  • 2012 Endzeit (Sebastian Fritzsch)
  • 2008 Amoklove (Julia C. Kaiser)

Dr. Sofia Glasl

Dr. Sofia Glasl ist gebürtige Münchnerin und arbeitet als freie Journalistin, Autorin und Kuratorin. Sie verbrachte einen Großteil ihrer Jugend im Münchner Atlantis Kino und in der Videothek ihres Vertrauens, wo sie sich durch die Independent- und B-Movie-Regale arbeitete und lernte, wer Steve Buscemi ist. Sie studierte Literatur- und Theaterwissenschaft in München, denkt gerne popkulturelle und klassische Phänomene zusammen und promovierte auch deshalb über die Filme von Jim Jarmusch. Für die Süddeutsche Zeitung, den Filmdienst und das Münchner Feuilleton schreibt sie über Film, Literatur und Theater und ist für den BR als Podcast-Autorin tätig. Von 2015 bis 2019 kuratierte sie für das Filmfest München die Filme aus dem englischsprachigen Raum und Skandinavien sowie die internationalen Serien. Zudem konzipierte sie Sonderreihen und Retrospektiven aus ihrem Programmbereich und führte Werkstattgespräche mit Filmemachern wie Jennifer Fox, Sophie Hyde, Mads Brügger und Terry Gilliam. Seither realisiert sie neben ihrer journalistischen Arbeit Projekte für Film- und Serienfestivals und unterstützt diese auch im redaktionellen Bereich.