Internationaler Wettbewerb / Internationale Bayernwerk Kurzfilmpreis

Jury Preis 1.500 Euro

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Bayernwerk

In der Kategorie Internationaler Wettbewerb wird ein Preis für den besten Kurzspielfilm vergeben. Es ist ein Jury Preis. Zugelassen für die Kategorie sind internationale Produktionen aus allen Ländern der Welt. Im Wettbewerb um den besten Kurzspielfilm befinden sich 56 Beiträge aus 28 Ländern.

Gewinner

Make Aliens Dance von Sébastien Petretti

Begründung der Jury:

Eine Szene aus Make Aliens Dance geht so: Eine Mutter und ihr Sohn sitzen vor dem Fernseher auf dem Sofa, sie fragt ihn wie es in der Arbeit läuft und er antwortet: “gut”. Was sich jedoch in dieser Szene zwischen den Zeilen abspielt, was in den Blicken liegt und im Schweigen verhandelt wird, erzählt mehr als andere Filme in ihrer Gesamtheit.
Make Aliens Dance ist ein Film über die Abwesenheit eines Menschen; ein Film der uns hineinzieht, uns einhüllt in das Zusammenleben, oder vielmehr den Versuch eines Zusammenlebens: eine Handvoll Menschen trauert und kämpft, sie reiben sich aneinander, sie versuchen zu kommunizieren, versuchen, einander den Schmerz zu nehmen, während sie selbst weder ein noch aus wissen.
Die Erzählung lässt sich Zeit, sie kreist um eine nicht anwesende Person und schafft es dabei doch, unheimlich konkret zu sein. Es gibt keinen großen Plot, keine Effekte, nur ein geheimnisvolles Telefonklingeln, und Musik, ein Lied das uns begleitet obwohl wir es erst in der letzten Szene hören werden: Nach und nach werden wir in das Schicksal einer Familie und der Menschen um sie herum eingebunden, getragen von der wunderbaren Kameraarbeit und von Schauspielern und Schauspielerinnen, die uns mit ihrer Kraft und Ehrlichkeit tief berühren; jede Einzelne der Figuren, und sei es nur in einem kleinen Auftritt, lässt den Film pulsieren und schafft einen lebendigen Kosmos zwischen einem Wohnzimmer und einem Tonstudio, einem Stadion und einer Telefonzelle.

Anna Edelmann

Anna Edelmann ist 1984 in München geboren. Ihre Liebe zum Film entwickelte sich schon vor der Einschulung: das Kinderkino im Kulturzentrum Forum2 des Münchner Olympiadorfs bot ein anspruchsvolles Programm, das sich keineswegs auf die klassischen Kinderfilme beschränkte. Die Gründer des Vereins Kinderkino, Hans und Christel Strobel, verstanden es ausgezeichnet, die Kinder über die Mitarbeit im Team für den Film zu motivieren: So half sie an der Kasse, beim Einlass, bei der Ansage der Filme und der Auswertung der Zuschauerabstimmung. Später schrieb sie erste Beiträge für die zweimal jährlich erscheinende Kinderfilm-Zeitung.
Nach der Schulzeit begann sie als freie Filmkritikerin zu schreiben. 2009 schloss sie sich dem Team des Artechock Filmmagazins an, für das sie seit 2012 auch zusammen mit Thomas Willmann unter dem Titel "Edelmann und Willmann sind sich einig" Artikel und Kritiken verfasst und über Filmfestivals Bericht erstattet.
Praktische Erfahrungen mit der Filmproduktion gewann sie als Komparsin in Studentenfilmen und Werbespots. In Andreas Prochaskas Film „Das finstere Tal“ wirkte sie im Kostümdepartment mit.

©Teresa Marenzi 2019

Anne von Keller

Anne von Keller bezieht ihre besondere Kraft und Ausstrahlung aus Umwegen.
Auf denen fallen einem ja bekanntlich Besonderheiten deutlicher auf als auf der direkten Strasse zum Ziel. So kam sie über die Theaterwissenschaft zum Schauspiel und über einen geschenkten Bass zur Musik. Und so zeigte sie z.B. in dem wunderbaren Kurzfilm „Amoklove“ von Julia C. Kaiser oder dem hermetischen Sci-Fi-Drama „Endzeit“ immer wieder Figuren mit einem reichen Innenleben, von dem sie uns nur Bruchstücke offenbart und so der Komplexität der Gefühle Respekt zollt.
Inzwischen kann sie auf eine stattliche Zahl von Kurz- und Langfilmen zurückblicken und ist im zugänglichen Arthouse-Kino, wie etwa an der Seite von Maria Furtwängler in „Das Leben in geschlossenen Räumen“ genauso zuhause wie in „Reproductive Exile“, einem semidokumentarischen Film der Künstlerin Lucy Beech. Parallel dazu veröffentlichte sie mit ihrem Indie-Folk Duo Sorry Gilberto vier Alben und trug in großen Teilen zum Soundtrack der vielfach ausgezeichneten Dramedy „Die Hannas“ bei.

Filmographie (Auswahl)

  • 2018 Reproductive Exile (Lucy Beech)
  • 2016 Flecken auf Weiß (Laura Schwickerath)
  • 2015 Die Hannas (Julia C. Kaiser)
  • 2014 Das Wetter in geschlossenen Räumen (Isabelle Stever)
  • 2013 Der Andi ist wieder da (Friederike Jehn)
  • 2012 Endzeit (Sebastian Fritzsch)
  • 2008 Amoklove (Julia C. Kaiser)

Dr. Sofia Glasl

Dr. Sofia Glasl ist gebürtige Münchnerin und arbeitet als freie Journalistin, Autorin und Kuratorin. Sie verbrachte einen Großteil ihrer Jugend im Münchner Atlantis Kino und in der Videothek ihres Vertrauens, wo sie sich durch die Independent- und B-Movie-Regale arbeitete und lernte, wer Steve Buscemi ist. Sie studierte Literatur- und Theaterwissenschaft in München, denkt gerne popkulturelle und klassische Phänomene zusammen und promovierte auch deshalb über die Filme von Jim Jarmusch. Für die Süddeutsche Zeitung, den Filmdienst und das Münchner Feuilleton schreibt sie über Film, Literatur und Theater und ist für den BR als Podcast-Autorin tätig. Von 2015 bis 2019 kuratierte sie für das Filmfest München die Filme aus dem englischsprachigen Raum und Skandinavien sowie die internationalen Serien. Zudem konzipierte sie Sonderreihen und Retrospektiven aus ihrem Programmbereich und führte Werkstattgespräche mit Filmemachern wie Jennifer Fox, Sophie Hyde, Mads Brügger und Terry Gilliam. Seither realisiert sie neben ihrer journalistischen Arbeit Projekte für Film- und Serienfestivals und unterstützt diese auch im redaktionellen Bereich.